Lengefelder Straße 7 (Korbach)

Das Haus Lengefelder Straße 7 im Oktober 2014.
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Das Haus Nr. 7 in der Lengefelder Straße ist ein im Jahr 1800 von den Kaufmann Wilhelm Köhler erbautes Fachwerkhaus in der Altstadt von Korbach. [1]

Geschichte

Das Gebäude wurde auf die Stätte des abgerissenen Hauses des Bäckermeisters Henrich August Götte errichtet, welches nach dem Stadtbrand von 1664 gebaut worden war.

1. Erster bekannter Eigentümer des Grundstücks war der Schmiedemeister Daniel Striepecke (~ 28.12.1625; nach 1688), Sohn des Schmiedemeisters Daniel Striepecke (Bürger 1614). Er wohnte hier bereits zum Zeitpunkt des Brandes von 1664 und hatte den Vorgängerbau des heutigen Hauses errichten lassen. Striepecke war verheiratet mit einer Barbara, Nachname unbekannt (* um 1626; begr. 13.01.1668, 42. Jahre). Die Bürgerrechte hatte er seit 1648 inne und war Ratsmitglied im Jahr 1664 sowie Dechant der Schmiedegilde 1659, 1687 und 1688. Die Familie Striepecke kommt schon 1415 mit Henrik, 1428 mit Kurt, 1436 mit Hans, 1463 mit Henrik, 1508 mit Hennecke und 1549 mit Ludolf in Korbach vor, wo 1601 auch ein Boris im Alter von etwa 50 Jahren und 1607 ein Johann im Alter von 60 Jahren starben. [2]

2. 1682 wurde der Kleinschmied und Schlossermeister Henrich Striepecke (* um 1654; begr. 26.02.1726, 72 Jahre), Sohn von Nr. 1, als neuer Eigentümer eingetragen. Er erwarb 1682 die Bürgerrechte und war in erster Ehe verheiratet mit einer Juliana, Nachname unbekannt (* um 1658; begr. 20.11.1699, 41 Jahre), in zweiter Ehe mit einer Anna Maria, Nachname unbekannt (* um 1660; begr. 16.04.1728, 68 Jahre). Henrich Striepecke war in den Jahren 1692, 1693, 1695, 1699, 1706, 1711, 1715 und 1719 Dechant der Schmiedeinnung.

3. 1725 erwarb der Metzgermeister Henrich Leonhard Asmuth (~ 21.05.1693; begr. 25.09.1735) das Haus. Er war der Sohn des Metzgermeisters Justus Asmuth II. (Klosterstraße 22 und Professor-Bier-Straße 20) und der Susanne Todt. 1720 erwarb er die Bürgerrechte und heiratete am 5. September desselben Jahres Maria Elisabeth Neudorf (~ 08.09.1695; begr. 20.08.1749), Tochter des Georg Neudorf und der Maria Magdalene im Thorn. Die Eheleute Asmuth/Neudorf hatten mindestens drei Kinder:

a) Christiane Elisabeth Asmuth (1722-1793), Nr. 4
b) Johann Wilhelm Asmuth (1725-1795), Tränkestraße 13
c) Johann Conrad Asmuth (1727-1755), Brauberg 2

4. Durch Eheschließung wurde im Jahr 1737 der Bäckermeister Johannes Götte (~ 03.04.1713; begr. 16.06.1769) neuer Eigentümer, indem er am 4. November 1736 die erst vierzehnjährige Christiane Elisabeth Asmuth (~ 14.06.1722; begr. 1706.1793) heiratete, Tochter von Nr. 3. Im gleichen Jahr erwarb Götte die Bürgerrechte, war Ratsmitglid in den Jahren 1749 und 1753, Ratsrentmeister 1754, 1757, 1759, 1761 und 1764 sowie Dechant der Bäckergilde 1739, 1741 und 1765. Er war der Sohn des Sonnenwirts Johannes Götte (Marktplatz 2) und der Maria Catharina Haxthausen.

5. 1788 wurde das Gebäude auf den Bäckermeister Henrich August Götte (~10.08.1755; 13.01.1802) übertragen, Sohn von Nr. 4. Er ehelichte am 13. Juni 1788 Charlotte Maria Curtze (~ 18.11.1769; 18.06.1833), Tochter des Milizrezeptors Franz Adolph Curtze (Stechbahn 20) und der Johanne Friederike Schreiber aus Adorf. Götte erwarb 1787 die Bürgerrechte und war in den Jahren 1788 und 1790 Dechant der Bäckergilde.

6. 1800 erwarb der Kaufmann Wilhelm Köhler (* 1773; begr. 25.12.1808; 35 Jahre) das Haus. Er ließ es abreißen und das heutige Gebäude errichten. Köhlers früheres Haus, Professor-Bier-Straße 7a, war ein Jahr zuvor, 1799, abgebrannt und wurde nicht wieder aufgebaut. Er war verheiratet mit der Witwe Johann Juliana Elisabeth Köhler (* 01.03.1769 in Ottlar; 22.01.1848), Tochter des herrschaftlichen Jägers Johann Friedrich Köhler in Ottlar. Der Name ihres ersten Mannes konnte nicht ermittelt werden. Eine dritte Ehe ging sie am 8. März 1813 mit dem Kaufmann und Gastwirt Johann Friedrich Carl Buhl ein. Das Haus blib von 1800 bis 1820 steuerfrei. Die dazugehörige Scheune hatte Wilhelm Köhler bereits 1782 erworben.

7. 1850 erbte der Arzt und Stadtchirurg Dr. med. Friedrich Wilhelm Köhler (* 23.08.1795 in Ottlar; 07.02.1859) das Haus, Sohn von Nr. 6. Er ging am 13. Februar 1827 die Ehe mit Johann Dorothea Caroline Buhl (* 29.01.1793; 07.02.1857) ein, Tochter des Bürgermeisters Friedrich Ludwig Buhl und der Johannette Wilhelmine Pohlmann. Sie war die Schwester seines Stiefvaters aus der dritte Ehe seiner Mutter (oben Ziff. 6). Die Ehe blieb kinderlos.

8. 1860 erbte Christiane Dorothea Elwina Henriette Köhler (* 30.08.1797; 27.03.1874), Tochter von Nr. 6 und Schwester von Nr. 7. Sie blieb ledig und kinderlos.

9. Im Jahr 1875 kaufte der Gastwirt und Bierbrauer Robert Kappel (* 1855; Ende Mai 1896) das Anwesen. Er war der Sohn des Heinrich Kappel (Lengefelder Straße 5) und der Marie Eleonore Elisabeth Mühling. Er fiel in Stormbruch von einem Wagen mit Stroh und zog sich eine Blutvergiftung zu, an der er starb. Über Ehen und Kinder ist nichts bekannt.

10. 1882 erwarb der Klempnermeister Heinrich Friedrich Wilhelm Niehm (* 08.03.1843; 03.11.1894) das Haus. Er war der Sohn des Kuhhirten Johannes Christian Niehm aus Erlheim und der Marie Catharina Christiana Trant von der Ziegelhütte. Am 29. März 1869 heiratte er Elise Henriette Rachtermann (* 02.05.1844 in Iserlohn; 10.01.1903), Tochter des Werkmeisters Friedrich Wilhelm Rachtermann in Iserlohn.

11. 1894 erbte der Klempnermeister Gustav Niehm (* 16.04.1875; 18.10.1932), Sohn von Nr. 10, das Gebäude. Am 16. April 1909 vermählte er sich mit Elise/Else Schnorr (* 19.05.1887 in Kassel; nach 1959?), Tochter des Kürschnermeisters Julius Schnorr aus München-Bernsdorf und der Wilhelmine Könitz aus Neustadt-Orla.

12. Nach dem Tod von Nr. 11 ging das Eigentum im Jahr 1934 auf dessen Witwe, Elise Niehm, über. Bis 1938 befand sich in dem haus ein Geschäft für Spiel- und Haushaltswaren.

13. Seit 1957 war Mitbesitzerin die Tochter von Nr. 10 und 11, Anneliese Niehm (* 23.04.1910; 08.02.1996 in Immenhausen). Sie heiratete am 22. Februar 1936 den Wirtschaftsberater Erich Scheiderbauer (* 11.07.1900 in Wels/Oberösterreich; /gefallen 29.11.1942 in Rußland). Er war der Sohn des Baumeisters Anton Scheiderbauer aus Dornbach bei Wien und der Christine Hoffmann.

14. Die weiteren Eigentümerwechsel bis heute sind hier nicht bekannt.

Äußeres Erscheinungsbild

Der 1800 abgerissene Vorgängerbau hatte nach dem Brandkassenreister von 1784, Nr. 42, eine Größe von 72 x 24 Fuß mit einem Brandkassenwert von 300 Talern. Die dazu gehörende Scheune war 38 x 22 Fuß groß, Wert 100 Taler.

Das Fachwerk wurde 1953 freigelegt.

Bilder

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Anmerkungen

[1] Hermann THOMAS (Bearb.), Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 4, Lengefelder Straße - Schulstraße - Im Sack - Am Tylenturm, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1959, S. 15-17. Alle folgenden Daten, soweit nicht anders vermerkt, nach THOMAS. Falls nicht anders angegeben, sind alle genannten Personen in Korbach geboren und gestorben.
[2] Helmut NICOLAI/Wilhelm HELLWIG/Ingeborg MOLDENHAUER (Bearb.), Waldeckische Wappen - Beiträge zur Familiengeschichte, Teil 3 - Wappen der waldeckischen Städte und Großgemeinden, Familienwappen und Hausmarken, Arolsen 1991, S. 387, Nr. 612.