Kirchstraße 4 (Korbach)

Das Haus Kirchstraße 4 im Juli 2017.
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Das Haus Nr. 4 in der Kirchstraße ist ein 1755 von dem Schreinermeister Zacharias Leye errichtetes Fachwerkhaus in der Altstadt von Korbach [1]

Geschichte

1. Erste bekannte Eigentümerin des Vorgängerbaus war Catharina Heinemann, Witwe des Johannes Huge (Professor-Kümmell-Straße 9).

2. Von Nr. 1 erwarb im Jahr 1657 Ludwig Asmuth (* um 1628; begr. 07.09.1705; 77 Jahre) das Haus. Er war der Sohn des Johannes Asmuth (Bürger 1621) und der Gertrud Cleve. Verheiratet war er mit Angela Margaretha Hampe (* um 1632; begr. 10.12.1700). Asmuth erwarb 1654 die Bürgerrechte, war Ratsmitglied 1668, 1670, 1672 und 1674 sowie in den Jahren 1676 und 1684 Pfennigmeister. Der Name Asmuth wird bereits in der Mitte des 15. Jahrhunderts in Korbach genannt. Die in zahlreichen Zweigen verbreitet gewesene, angesehene Handwerkerfamilie - meist Metzger -ist im Jahre 1795 im Mannesstamme in Korbach ausgestorben. Ludwig Asmuth und Angela Margarethe Hampe hatten mindestens zwei Kinder:

a) Anna Erich Asmuth Caspar Limpert (Hinter dem Kloster 5)
b) Justus Asmuth (Nr. 3)

3. 1701 wurde das Eigentum an dem Haus auf den Schuhmachermeister Justus Asmuth (* um 1673; begr. 11.05.1732, 59 Jahre) übertragen, Sohn von Nr. 2. Er erwarb 1701 die Bürgerrechte und vermählte sich am 19. Oktober desselben Jahres mit Maria Juliana Hartwig (~ 04.05.1679; begr. 19.12.1754), Tochter des Kirchenprovisors und Unterbürgermeisters Johannes Hartwig (Kirchstraße 8) und der Eva Gertrud Geldmacher.

4. 1743 Zacharias Leye

5. 1792 Franz Henrich Wille

6. 1795 Henrich Wille

7. 1844 Christian Ludwig Wolrad Wille

8. 1873 Wihelm Ludwig Wille

9. 1922 Karl Heinrich Ludwig Wille

10. 1939 Ernst Schäfer

11. 1974 Ernst Schäfer

Erscheinungsbild

Im Jahr 1939 Jahre wurde das Gebäude wie folgt beschrieben: [2]

" Wohnhaus mit Scheune. Zweigeschossig, Fachwerk auf Werksteinsockel. Obergeschoß vorgekragt, Karniesprofil. 21 Gefache. Mittelrisalit mit Haustür und zweiläufiger Freitreppe. Eckpfosten und Risalitpfosten gequadert. Satteldach mit Zwerchhaus in 5-pfannen mit Schiefereinfassung. Traufenseite zur Straße. Rm Ouergebälk Inschriften in Kapitale.
Im Giebel: „SOEI DEO GLORIA".
Darunter: „WER GOTT VERTRAUT HAT WOHL GEBAUT IM HIMMEL UND AUF ERDEN. WER SICH VERLÄSST AUF JESU". Darunter: „DENKE AN DAS ENDE UND LASS DIE FEINDSCHAFT FAHREN — SIRACH XXVIII V. VI".
Am Hauptquergebälk: „WO DER HERR NICHT DAS HAUS BAUET, SO ARBEITEN UMSONST DIE DARAN BAUEN. WO DER HERR NICHT DIE STADT BEHÜTET, SO WACHET DER WÄCHTER UMSONST. ES IST UM SONST, DASS IHR FRÜHE AUFSTEHET UND HERNACH LANGE SITZET UND ESSET EUER BROD MIT SORGEN DANN SEINEN FREUNDEN GIBT ERS SCHLAFEND. SIEHE, KINDER SIND EINE GABE DES HERRN UND LEIBES FRUCHT IST EIN GESCHENKE. PSALM 127".

Die oben beschriebenen Inschriften stellen sich heute leicht abgewandelt dar.

Bilder

Anmerkungen

[1] Hermann THOMAS/Karl WILKE/Lothar GERLACH (Bearb.), Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 3, Kirchstrasse - Unterstrasse - Nikolaistrasse - Oberstrasse - In der Pforte - Brauberg - Ketzerbach - Ascher - Mauergasse, 2. Auflage, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 2003, S. 45-48. Alle folgenden Daten, soweit nicht anders vermerkt, nach THOMAS. Falls nicht anders angegeben, sind alle genannten Personen in Korbach geboren und gestorben. Vgl. auch Waldeckische Landeszeitung, Ausgabe vom 1. August 2016, S. 5: "Stahlwaren 'nur gegen Schinken' - Geschäfte mit Tradition in der Korbacher Fußgängerzone - Heute: Messer-Schäfer in der Kirchstraße"
[2] Wolfgang MEDDING (Bearb.) in: Friedrich BLEIBAUM (Hrsg.), Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Kassel, Neue Folge, Dritter Band, Kreis des Eisenberges, Kassel 1939, S. 138.