Am Butterturm 6 (Korbach)

Das Haus Nr. 6 in der Straße Am Butterturm war ein 1778 von dem Schuhmacher Carl Range errichtetes und 1871 abgerissenes Fachwerkhaus in der Altstadt von Korbach. [1] Die "Nr. 6" war nicht die offizielle Bezeichnung, sondern wird hier nur aus Ordnungsgründen verwendet. Das Gebäude stand in dem heutigen Garten zwischen den Häusern Am Butterturm 4 und Dalwigker Straße 1 und Dalwigker Straße 3 und trug nach damaliger Zählweise die Nr. 278.

Geschichte

1. Erster bekannter Eigentümer des Vorgängerbaus war Mitte des 17. Jahrhunderts der Bäckermeister Anton/Tonius Hartwig (~ 26.06.1614; begr. 11.04.1675), Sohn des Jost Hartwig (Bürger 1611) und der Gertrud Deichmann. Seine namentlich nicht bekannte Frau starb am 5. September 1675 als Witwe. Anton Hartwig erwarb 1637 die Bürgerrechte, war Ratsmitglied in den Jahren 1644, 1647, 1656, 1658, 1662, 1664 und 1668 sowie Dechant der Bäckergilde in den Jahren 1657, 1664, 1670 und 1671. Die Hartwigs gehören zu den ältesten nachweisbaren Familien in Korbach. Schon zwischen 1478 und 1496 wird Henrich Hartwig als Pfennigmeister und Ratsherr genannt. Die Stammreihe der heutigen Nachkommen beginnt mit Jost Hartwig, der 1536 das Bürgerrecht erwarb. Ihm folgten Andreas Hartwig (Bürger 1559), Jost Hartwig (Bürger 1596), Johannes Hartwig (Bürger 1625) und der Kaufmann Henrich Hartwig (Bürger 1663). Anton/Tonius Hartwig hatte mindestens zwei Söhne: Nr. 2 und Heinrich Hartwig (Entengasse 12). Ein Jost Hartwig, vermutlich der Vater des Anton/Tonius Hartwig wird in einem Darlehensvertrag vom 2. Februar 1621 als Eigentümer eines Hauses in der "Dreckenstraße" (Tränkestraße) erwähnt, das neben dem Haus des Simon Titmarkhausen (Eigentümer zur Hälfte) und der Eheleute Matthias und Elsa von Ehe (Eigentümer zur Hälfte) liege. [2] Welches Haus in der Tränkestraße gemeint war und ob als "Tränkestraße" im weitesten Sinne auch noch das vorliegende Haus in Betracht kommt, ist nicht bekannt.

2. 1676 erbte der Bäckermeister Dietrich Hartwig (* um 1650; begr. 24.07.1687, 37 Jahre) das Haus. Er war der Sohn von Nr. 1. Er war verheiratet mit Clara Elisabeth Geldmacher aus Immighausen (* um 650; begr. 03.01.1712, 61 Jahre und 8 Monate), Tochter des Johannes Geldmacher in Immighausen. Ihre Schwester Eva Gertrud Geldmacher war mit dem Bäckermeister Johannes Daniel Hartwig verheiratet, der das Haus Kirchstraße 8 erbaute. [3]

3. Im Jahr 1705 kaufte Johann Burghardt Wäscher (* um 1680 in Rhena; 17.01.1751, 70 Jahre) das Haus. [4] Er erwarb 1705 die Bürgerrechte und war verheiratet mit einer Maria Gertrud, Geburtsname nicht bekannt (* ?; 14.06.1742). Das Paar hatte wohl mindestens zwei Kinder:

a) Johann Jacob Wäscher; Nr. 4
b) wahrscheinlich: Sophie Catharina Wäscher (1707-1759) Johann Daniel Curtze (Klosterstraße 10)

4. 1743 wurde das Eigentum auf den Ackermann Johann Jacob Wäscher (~ 22.09.1706; ?) übertragen, Bürger seit 1735. Er war der Sohn von Nr. 3 und heiratete am 26. November 1734 Catharina Elisabeth Schäfer/Scheffer (* um 1715; 16.06.1791, 76 Jahre). Sie wird im Kirchenbuch der Altstadt als "Eine sehr christliche fromme Frau" bezeichnet. Aus der Ehe gingen mindestens zwei Kinder hervor:

a) Maria Elisabeth Wäscher (1735-1791), Nr. 5
b) Georg Philipp Wäscher (1742-1820), Lengefelder Straße 6 [5]

5. 1763 Carl Justus Range.

6. 1808 Johann Jacob König.

7a. 1819 zur Hälfte: Jacob Fieseler.

7b. 1847 zur Hälfte: Johann Henrich Christian König.

8. Im Jahr 1871 kaufte Dr. med. Friedrich Rube (Dalwigker Str. 3) das Gebäude, ließ es abreißen und an seiner Stelle einen Garten anlegen.

Bilder

Von dem Haus gibt es keine Abbildungen.

Anmerkungen

[1] Hermann THOMAS (Bearb.), Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 7, Dalwigker Straße - Am Butterturm - Grabenstraße - Entengasse - Tränkestraße, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1960, S. 50-51. Alle folgenden Daten, soweit nicht anders vermerkt, nach THOMAS. Falls nicht anders angegeben, sind alle genannten Personen in Korbach geboren und gestorben.
[2] Bernd KRÖPELIN (Bearb.), Korbacher Urkunden, Regesten, Band 2, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 2002, S. 127, Nr. 791.
[3] Helmut NICOLAI/Wilhelm HELLWIG/Ingeborg MOLDENHAUER (Bearb.), Waldeckische Wappen - Beiträge zur Familiengeschichte, Teil 2 - Bürgerwappen, Arolsen 1987, S. 207, Nr. 160; Teil 3 - Wappen der waldeckischen Städte und Großgemeinden, Familienwappen und Hausmakren, Arolsen 191, S. 187, Nr. 168.
[4] Bei Hilmar G. STOECKER (Bearb.), Waldeckische Ortssippenbücher, Band 22, Rhena, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1980, S. 234, nicht genannt, da die Kirchenbücher erst später einsetzen. Dort ist zur fraglichen Zeit lediglich ein Johann Arnd Wäscher (* um 1681) - vielleicht ein Bruder von Nr. 3 - mit einem Sohn namens Jost Burchard (*1713) genannt.
[5] Bei Hermann THOMAS (Bearb.), Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 4, Lengefelder Straße - Schulstraße - Im Sack - Am Tylenturm, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1959, S. 31, wird der Beruf des Vaters Johann Jacob Wäscher nicht mit Ackermann, sondern mit Bäckermeister angegeben.